Kirchenführung St. Ulrich
Aufgrund eines Dokuments der Kölner Abtei St. Pantaleon
aus dem Jahre 1141 mit der erstmaligen Erwähnung von "Segendorp"
liegt die Vermutung nahe, dass Sindorf bereits im 11. Jahrhundert
eine Kirche besaß. Sie war dem heiligen Ulrich, einem der
ältesten Pfarrpatrone der Erzdiözese Köln, geweiht.
Als zu Beginn des 15. Jahrhunderts große Teile des alten romanischen
Baus einstürzten, errichtete die Sindorfer Gemeinde ein neues
Gotteshaus. Die spätgotische Hallenkirche bestand aus einem
Mittelschiff und zwei Seitenschiffen sowie einem Chor im Osten und einem
vorgelagerten Westturm. Das 1484 feierlich geweihte Gebäude ist heute
noch erhalten, wird jedoch nur noch zu kleineren Anlässen wie
Hochzeiten benutzt.
Urkundlich 1141 erstmals als "Segendorp" erwähnt, hatte
Sindorf spätestens seit Ende des 13. Jahrhunderts eigene Pfarrechte:
Im sogenannten "Liber Valoris", das um 1274 entstand, wird
Sindorf als Pfarrei genannt. Zu diesem Zeitpunkt gehörte Sindorf
noch zum Tafelgut des Kölner Erzbischofs. Im späteren 14. Jahrhundert
geriet Sindorf unter den Einfluß des Jülicher Herzogs.
1363 ist der erste Pfarrer in Sindorf nachgewiesen. Walram von Salmen,
Herr zu Sindorf, verkaufte seine Herrschaft 1375 an den seinerzeitigen
Hemmersbacher Herren Scheiffart von Merode. Der jeweilige Herr von
Hemmersbach übte in der Folgezeit auch das Kollationsrecht an
St. Ulrich aus, seit 1550 im Wechsel mit dem Kölner Erzbischof.
Das Langhaus des vermutlich romanischen Vorgängerbaus der heutigen Kirche stürzte
im Jahr 1484 ein. Der Anfang des 15. Jahrhunderts errichtete Turm blieb erhalten.
Die neue, wohl 1490 geweihte Kirche wurde teilweise auf den Grundrissen der alten
Kirche errichtet. Die Architektur der dreischiffigen Hallenkirche mit drei Jochen
ist insofern ungewöhnlich, als die Breite der Kirche ihre Länge
übertrifft. Die hohen Maßwerkfenster, die die Halle beleuchten, sind
erneuert. An die Halle schließt sich westlich der gedrungene Turm an,
dessen Südseite in das Kirchenschiff führt. Eine eingezogene, achtseitige
Haube krönt den massiven Westturm, der aus der Achse des Mittelschiffs nach Norden
verschoben ist. Die beiden Seitenschiffe werden in voller Länge von einem Walmdach
überspannt, das in das Hauptdach leitet. Das Dach über dem Chor trägt
einen kleinen Dachreiter.
Der rechteckig an das Mittelschiff angebaute Chor wird durch ein Chorpolygonal
geschlossen. Die Wappendarstellungen des seinerzeitigen Erzbischofs von Köln,
Hermanns von Hessen, sowie der Scheiffart von Merode als der Herren von Hemmersbach,
die in den Gewölbekonsolen des Chores zu sehen sind, lassen auf Stiftungen für
den Bau schließen.
Einen der bedeutendsten Sindorfer Pfarrer, den 1691 in Heppendorf geborenen Peter
Zehnpfennig, setzte Freiherr Adam von Hompesch, der Witwer von Charlotte von
Vercken, am 1. April 1719 ein. Die lateinische Urkunde rühmt ihn als
ehrenvollen und für die Pfarrstelle geeigneten Mann. Zehnpfennig blieb der
Sindorfer Pfarrstelle bis zu seinem Tod 1766 treu. In dieser Zeit kümmerte
er sich nicht nur um die Sindorfer, sondern wurde Eremitenkommissar für das
kölnisch-jülichsche Gebiet und gab für die Eremiten 1747 eine neue
Ordnung heraus. Jedes Jahr am 3. Mai versammelte er über 40 Eremiten in
Sindorf. Berühmt wurde er als Verfasser der "Annalen für das Dekanat
Bergheim", dem er als Dechant vorstand. Die Arbeit beschreibt jede der 100
Pfarren des Dekanats.
1805 wurde die Kirche durch ein Feuer schwer verwüstet. Unter anderem wurden
die Glocken, von denen eine nach der Überlieferung von Peter Zehnpfennig aus
dem Jahr 1454 stammen soll, ein Raub der Flammen. Ob der Versuch, als Ersatz die
Glocken aus St. Cyriakus zu bekommen, das 1807 als Pfarre aufgelöst wurde,
erfolgreich endete, ist eher zweifelhaft. 1850 konnten mit Hilfe zahlreicher
Stifterinnen und Stifter drei neue Glocken angeschafft werden. Für die
große, 1000 kg schwere Elisabeth-Glocke im Schlagton e, deren Inschrift
neben den Stiftern auch an die im Feuer zerstörten alten Glocken erinnert,
hatte erneut Gräfin Elisabeth Berghe von Trips gespendet, außerdem
Bürgermeister Hermann Josef Dünnwald. Die Inschrift auf der Glocke
Anna, 700 kg schwer und im Schlagton fis, nennt fünf Paten, die 450 kg
schwere Glocke Maria, Schlagton gis, hatte 3 Paten. Die Glocken wurden 1942
zum Einschmelzen nach Hamburg gebracht, konnten aber 1946 unversehrt nach
Sindorf zurückkehren. Nach Fertigstellung der neuen Kirche wurden die
alten Glocken aus St. Ulrich in den Turm der neuen Pfarrkirche gebracht.
1866 richtete ein Blitzschlag große Schäden am Turm von St. Ulrich an.
Ende des 19. Jahrhunderts angestrebte Planungen zur Erweiterung der Kirche wurden
wohl wegen des unter Denkmalschutz stehenden Chores nicht realisiert.
Im Zweiten Weltkrieg entstand an der Kirche durch Artillerietreffer schwerer
Schaden, der nach dem Krieg mit freiwilligen Arbeitskräften behoben wurde.
Bei Restaurierungsarbeiten konnten an den Innenseiten der Chorfenster Wandbilder
mit Heiligendarstellungen und Schriftbändern freigelegt werden,
die offensichtlich aus der Bauzeit der Kirche Ende des 15. Jahrhunderts stammen.
Auch das achtseitige Taufbecken aus Rotsandstein, 111 cm hoch mit einem Durchmesser
von 87 cm, wurde vermutlich für den spätgotischen Neubau angefertigt.
1660 stiftete Pfarrer Eberhard Scherer den dazu passenden Messingdeckel mit einer
entsprechenden Inschrift. Noch zu Lebzeiten ließ Pfarrer Eberhard Scherer
seine Grabplatte aus einer Blausteinplatte anfertigen, die sich in der Westwand
des Turms befindet. Die mächtige Platte zeigt ihn demütig knieend vor
einem Kruzifix, außerdem ist sein Wappen abgebildet. 1659 wurde das Epitaph
fertiggestellt, 1663 starb Eberhard Scherer im Alter von 47 Jahren.
Die beiden in St. Ulrich vorhandenen Beichtstühle aus Eichenholz entstanden
Ende des 18. oder Anfang des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 2008 erhielt die Ulrichkirche
eine neue Heiligenfigur ihres Pfarrpatrons: eine geschnitzte Figur aus dem
Grödnertal schmückt seitdem die Ostwand des südlichen Seitenschiffs.
Der Künstler Peter Kostner stammt aus St. Ulrich im Grödnertal.
Seit 1956 ist St. Ulrich die Nebenkirche der neu erbauten Kirche, die nach einem
Gelöbnis von Pfarrer Stratmann aus dem Jahr 1943 St. Maria Königin geweiht wurde.
( Dr. Christian Frommert)